Grafik: Stefan Voigt

METROPOL

Cie. Freaks und Fremde nach Eugen Ruge

Inhalt

Wir begleiten drei deutsche Kommunisten, die in den 1930er Jahren vor dem Faschismus in die Sowjetunion flohen, um dort zu helfen, eine gerechtere Gesellschaft zu gestalten. Doch schon bald werden sie im Zuge der Parteisäuberungen und stalinistischen Schauprozesse in das Netz der Denunziationen, Verdächtigungen und »Selbstkritik« verstrickt. Die Protagonisten gehen unterschiedliche Wege im Umgang mit dieser unerwarteten Situation und sind zugleich schicksalhaft miteinander verbunden. Das Team der Cie. Freaks und Fremde untersucht mit der Bearbeitung von Eugen Ruges Roman, was Menschen in ihrer Sehnsucht nach gesellschaftlichen Idealen zu glauben bereit sind.

»Terror und Traum, Moskau 1937« - das scheint weit in der Vergangenheit zu liegen. Doch »Moskau 1937« ist ein Schauplatz jüngerer europäischer Geschichte auf der Bruchstelle der gegenwärtigen europäischen Zivilisation. Bis in die heutige Zeit reichen die Nachwirkungen und Konsequenzen aus dieser viel erforschten und für viele dennoch dunkel gebliebenen Zeit.

Das Hotel Metropol ist ein Luxushotel im Zentrum Moskaus. 1907 im Jugendstil fertiggestellt, war es eine der ersten Adressen im zaristischen Russland. Nach der Oktoberrevolution beschlagnahmten es die Bolschewiki. Hier lebten neben »verdächtigen« Genossen auch internationale Gäste wie der Star-Schriftsteller Lion Feuchtwanger oder der Vorsitzende Richter des zweiten Moskauer Schauprozesses von 1937, Wassili Wassiljewitsch Ulrich. Für Eugen Ruge war das Romanprojekt zugleich eine Expedition in die eigene Familiengeschichte - die beiden Protagonisten sind seine Großeltern. Anhand der Kaderakte seiner Großmutter rekonstruiert er die 477 Tage im Moskauer Hotel Metropol, in dem die beiden ausharrten, ohne zu wissen, was mit ihnen geschehen wird.

Die Compagnie Freaks und Fremde entwickelte die Inszenierung im Jahr 2022 an einem besonderen Ort der Erinnerung; im Festsaal der ehemaligen Bezirkszentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Dresden. Im Zusammenwirken von Sprache, Objekten, Sound-Collagen, Puppenspiel und Projektionen spielen sie ein Stück europäischer Geschichte durch und befragen damit zugleich aktuelle Ideologien und Glaubensbekenntnisse.

Mitwirkende

Künstlerische Leitung, Schauspiel, Puppenspiel: Sabine Köhler, Heiki Ikkola | Live-Musik und Sound-Collagen: Tobias Herzz Hallbauer | Bühnenbild und Kostüme: Rita Hausmann | Videoschnitt und -projektionen: Beate Gbureck | Live-Kamera: Eckart Reichl | Technische Leitung und Lichtdesign: Josia Werth | Aufführungsrechte: Merlin Verlag | WERKSCHAU der Cie. Freaks und Fremde 2023, in Kooperation mit dem Societaetstheater.

Dauer: 120 Minuten

Voll :
18 €
Ermäßigt:
13 €
Schüler:innen, Studierende, Bürgergeld-empfänger:innen:
8 €

Beim Online-Ticketkauf sowie beim Kauf in einer reservix-Vorverkaufsstelle fallen zusätzliche Gebühren an. Diese entfallen beim Kauf an unserer Theaterkasse.

Ergänzungen / Hinweise

Am 7. November 2023 findet im Anschluss an die Aufführung ein Inszenierungsgespräch mit Annette Dabs, Leiterin fidena - Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst, statt.

 

Pressezitate

»Köhler und Ikkola, stets in Verwandlung und dramatisch von Musik und Schwarzweiß-Video begleitet, forschen sich durch die Romanpersonage, deren Motive sowie revolutionäre Dilemmata und spiegeln die Klaustrophobie des drögen Hotellebens, wobei die Genossen der Kommunistischen Internationale zunehmend abhanden kommen, durchaus beeindruckend. Große Bilder gelingen beim Einwickeln in die Wahrheit (als Zeitungsperformance) und beim Besteigen einer Stahlrohrkonstruktion mit Wetterfahne.« (Dresdner Neueste Nachrichten)

»Zwischen den Publikumsreihen und der Bühne ist ein Podest aufgestellt, darauf und drum herum kann das Company-Duo Heiki Ikkola und Sabine Köhler sich austoben. Hinten agiert Mitstreiter Tobias Herzz Hallbauer in einer offenen Kabine, spricht Texte ein, liefert Musik und Sound-Collagen zu: Schabend-dröhnende Ambientklänge, düster-pulsierend, mit tief wummernden Bässen, die durch Mark und Bein gehen. Ikkola und Köhler agieren sehr körperlich. Mal führen sie eine Puppe von Wassili Wassiljewitsch Ulrich, 1937 Vorsitzender Richter des zweiten Moskauer Schauprozesses, der - wie im Buch – irritierend menschlich bleibt, obwohl er etwa bis zu 400 Todesurteile pro Tag unterzeichnet. Dann wieder bemalen sie Kästen mit Kreide, schieben und stapeln diese immer wieder neu. Die Geschichte der Figuren erzählen sie in virtuoser Akrobatik, wenn sie ein Zelt aufbauen oder eine Metalltraverse, während sie ihre Hoffnungen an den Kommunismus ausrufen.« (Dresdner Morgenpost)

»Freaks und Fremde haben den Originaltext Ruges genommen und sehr sorgfältig passende Szenen ausgewählt, die auf der extrem schlichten Bühne (Bühnenmitarbeit: Darvin Werland) gespielt werden. Fantastisch betont, akzentuiert, getragen wird die Handlung von der teilweise live gespielten Musik sowie den Soundcollagen Tobias Herzz-Hallbauers. Wir erleben das erste Gespräch Charlottes und Wilhelm darüber, dass sie eine Mitteilung machen müssen, mit einem überführten Volksfeind bekannt gewesen zu sein, ihm sogar ein Grammophon verkauft haben. Lächerlich, denkt sich der Mensch des 21. Jahrhunderts. Das Lachen, es bleibt einem allerdings bald im Hals stecken. Erster Auftritt Wassili Wassiljewitsch: Köhler und Ikkola verschwinden hinter schwarzen Masken, wenn sie die Puppe gemeinsam zum Leben erwecken. Großartige Interaktion zwischen der Figur und den beiden! Insgesamt ein wunderbar durchdachtes Inszenierungskonzept, mit Können, Herzblut und Leidenschaft auf die Bühne gebracht!« (SAX-Stadtmagazin)

»Die Gedenkstätte Bautzner Straße ist als Spielort überaus passend. Ihre Funktion als ehemaliges Stasi-Gefängnis zeigt deutliche Parallelen zur Situation in Moskau 1937. Es erscheint daher geradezu als Gewinn, dass das Societaetstheater aktuell saniert wird und daher ein Ausweichen auf alternative Spielstätten erforderlich ist. Sabine Köhler und Heiki Ikkola schaffen es in dieser Produktion nicht nur, die Figur von Ulrich, dessen Rolle passenderweise von einer »Marionette« besetzt wird, unheimlich lebendig wirken zu lassen, sondern glänzen auch schauspielerisch in zahlreichen Rollenwechseln.« (DRESDNER Stadtmagazin)

Diese Veranstaltung wurde gefördert von