Foto: Robin Junicke

IBSEN: GESPENSTER

Markus&Markus Theaterkollektiv

Schauspiel

Inhalt

In Ibsens Drama »Gespenster« bittet Osvald seine Mutter, ihm zum Sterben zu verhelfen. Sie zweifelt. Und mit ihr zweifeln noch immer Gesellschaften überall auf der Welt, ob es ein Grundrecht auf selbstbestimmtes Sterben gibt. Das Kollektiv Markus&Markus hat seinen Osvald mit einer Person besetzt, die mit einer Sterbehilfeorganisation den eigenen Tod geplant hat. Am 1. April trafen sie sie zum ersten Mal, am 22. Mai waren sie auf ihrer Beerdigung. Ein Stück über das Sterben und zugleich Überlebenselixier, denn: »So lange man über mich redet und meine Geschichte erzählt wird, so lange bin ich nicht tot.«

Das Kollektiv Markus&Markus begleitete seinen Osvald, die 81-jährige Margot, mit der Kamera während ihrer letzten Tage. Sie waren überall dabei; beim Ordnen ihrer Dinge, den letzten Arztbesuchen, Abschiedsfesten und schließlich auch auf ihrem Weg in die Schweiz. Dorthin, wo einige wenige Organisationen seit Jahren Sterbehilfe leisten auf dem schmalen Grat, den die Justiz ihnen lässt. Und sie waren auf Margots Beerdigung. Das Stück dokumentiert diese besondere Begegnung, ist eine Feier des Lebens, ein Dinner for One, bei dem die Tischdame ihren verstorbenen Freund:innen bereits gefolgt ist. Auf der Bühne sind nur noch Markus&Markus. Ein kontroverser Diskurs prallt auf ein Drama, dessen Protagonistin bereits tot ist.

Markus & Markus ist ein Theaterkollektiv, das 2011 von Studierenden der Szenischen Künste in Hildesheim gegründet wurde. Die Gruppe besteht aus Lara-Joy Bues, Katarina Eckold, Markus Schäfer und Markus Schmans. Zusammen steht das Kollektiv für eine ureigene Form dokumentarischen Theaters, leidenschaftliche Investigation und radikale Perfektionslosigkeit. Die Arbeiten zeichnen sich aus durch eine intensive Recherche, deren Ergebnis eingefangen auf der Videoebene einen elementaren Baustein der Inszenierungen bildet. Es geht dem Kollektiv jedoch nicht darum, eine Realität dokumentarisch abzubilden und die Welt zu erklären – stattdessen ist der Theaterkontext für den Zugriff auf die Realität entscheidend.

Sie produzierten für den Stückemarkt des Berliner Theatertreffens, den Freischwimmer und Theater der Welt. Ihre Inszenierungen wurden auf Festivals eingeladen: Frankfurter Positionen, Impulse Mülheim a. d. Ruhr und Düsseldorf, Spielart München, Premières in Karlsruhe und Strasbourg, Fast Forward Braunschweig, Perspectives Saarbrücken, Best OFF Niedersachsen, Performing Arts Festival Berlin und Hart am Wind – Festival für professionelles norddeutsches Kinder- und Jugendtheater. Die Arbeiten wurden auch international gezeigt: Stage Festival Helsinki, Ibsenfestival am Nationaltheater Oslo, Singapore International Festival of Arts, Dokumentartage Basel, Eurothalia Timisoara, Something Raw Amsterdam, ACT Sofia, Open Mind Salzburg und Spoiwa Kultury Szczecin. Sie wurden ausgezeichnet: George Tabori Förderpreis, Jurypreis des Best Off – Festival des Freien Theaters der Stiftung Niedersachsen. Seit 2016 erhält Markus&Markus die Konzeptionsförderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Lara-Joy Bues wurde 1989 in Hannover geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und leitete dort das Türkisch-Deutsche Theater. 2011/12 war sie am Hetveem Theater Amsterdam und verfasste eine vergleichende Analyse der Förderstrukturen Freier Theater in den Niederlanden und Deutschland. Von 2013 bis 2017 arbeitete sie als Produktionsleiterin an den Sophiensaelen Berlin. Lara-Joy Bues ist bis heute für Telefonstreiche zu begeistern.

Katarina Eckold wurde 1976 in Berlin-West geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft/ Kulturelle Kommunikation an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach diversen Regie-Assistenzen folgten eigene Inszenierungen mit der künstlerischen Produktionsgruppe wirsindnichtdiecd. 2008 absolvierte sie eine Weiterbildung als Sound- und Videodesignerin und studierte anschließend Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Katarina Eckold spielte mit Ariane Hingst in der Berlin Auswahl.

Markus Schäfer wurde 1983 in Reutlingen geboren. Er studierte Szenische Künste in Hildesheim, gehörte zum Ensemble von TheaterTotal in Bochum und entwickelte Theaterstücke mit Schüler*innen, mit dem Hildesheimer Ensemble Theater HOWEI, bei Treibstoff Basel. Markus Schäfer ist über die Marbacher Linie mit Friedrich Schiller verwandt.

Markus Schmans wurde 1988 in Leipzig geboren. Er arbeitete als Theaterpädagoge am Landestheater Altenburg und als Regieassistent am Schauspielhaus Leipzig. Anschließend studierte er Szenische Künste an der Universität Hildesheim. Er war in wechselnden Funktionen in den Theaterkollektiven cobratheater.cobra und „sehr sehr frei nach…“ tätig und leitete 2011/12 die interkulturelle Theatergruppe Türkisch-Deutsches Theater Hildesheim. Als Kind hat Markus Schmans immer davon geträumt, Koch in einem 5-Sterne-Restaurant zu werden.

Mitwirkende

Konzept und Umsetzung: Lara-Joy Bues, Katarina Eckold, Manuela Pirozzi, Markus Schäfer, Markus Schmans und als Gast Margot | Koproduziert durch: Theaterhaus Gessnerallee Zürich, ROXY Birsfelden und Mousonturm Frankfurt | Gefördert durch: Stadt Zürich Kultur, Kanton Zürich, Migros Kulturprozent, Fondation Nestlé pour l’art, Ernst-Göhner Stiftung, Fachausschuss Theater und Tanz BS/BL

Dauer: 100 Minuten (keine Pause)

Voll:
18 Euro
Ermäßigt:
13 Euro
Schüler:innen, Studierende, Bürgergeld-empfänger:innen:
8 Euro

Beim Online-Ticketkauf sowie beim Kauf in einer reservix-Vorverkaufsstelle fallen zusätzliche Gebühren an. Diese entfallen beim Kauf an unserer Theaterkasse.

Pressezitate

»Radikaler kann Dokumentartheater kaum sein. Doch geht es der Hildesheimer Theatergruppe nicht nur darum, eines der letzten gesellschaftlichen Tabus zu demontieren, (...) sondern auch darum, Margot ein Denkmal zu setzen.« (Neue Zürcher Zeitung)

»Aufwühlend und überwältigend, komisch und unendlich traurig. So nah kann einem Theater kommen, das über ein gesellschaftlich relevantes Thema nachdenkt.« (Neue Rhein Zeitung)

»Herausgekommen ist ein dokumentarisches Theaterexperiment, das sich seiner Grenzüberschreitungen sehr bewusst ist. Das unheimlich respektvoll mit seiner Heldin umgeht. Und das einen das Sterben und das Sterbenlassen lehrt.« (Basler Zeitung)

»Darf man die Fallhöhen, egal wie clever, und clever sind sie, so unverschämt ineinander verrühren?« (Süddeutsche Zeitung)

»Margot öffnete den Theaterleuten ihre Wohnungstür, aber vor allem ihre Seele.« (DrehPunktKultur)

»Das wühlt auf, die Fragen wuchern.« (Tages-Anzeiger)