Grafik: Stefan Voigt

DIE JÜDIN VON TOLEDO

Cie. Freaks und Fremde nach Lion Feuchtwanger

Figurentheater

Inhalt

Feuchtwangers Roman führt zurück ins mittelalterliche Spanien. Es sind unruhige Zeiten, das Leben wird von Kriegen zerrissen, obgleich nirgends sonst in Europa die unterschiedlichsten Kulturen so fruchtbar und eng miteinander verbunden waren. Doch das goldene Zeitalter des legendären Al-Andalus ist vorbei. Muslimische und christliche Fundamentalisten stehen sich erbittert gegenüber und kämpfen um die Macht. Im Zusammenspiel von Menschen und Marionetten entsteht ein zeitüberspannendes Tableau, in dem sich Historisches und Märchenhaftes zu Geschichte verweben, in der selbst der Autor in Gestalt einer Puppe den eigenen Faden bis ins Heute weiterspinnt.

Feuchtwanger zeichnet die Bemühungen des jüdischen Kaufmanns Jehuda Ibn Esra nach, ein friedliches, kulturvolles und prosperierendes Kastilien zu entwickeln. Sein Einfluss am Hofe König Alfonsos ist gewaltig. Auch wenn der Herrscher ungehobelt und kriegslüstern ist, so ringt Jehuda ihm doch etliche Zugeständnisse ab, erreicht Unglaubliches für Kastilien und erringt letztlich auch das Vertrauen des Königs. Nicht alle Kräfte in Kastilien sehen das mit Wohlwollen - die politische Lage ist angespannt, Sündenböcke und einfache Antworten werden gebraucht.
Die Liebe zwischen Jehudas Tochter Raquel und König Alfonso, zwischen einer Jüdin und einem christlichen Herrscher, scheint inmitten der politischen Wirren, der Macht- und Glaubenskämpfe auf wie eine Insel der Möglichkeiten. Zugleich bringt sie alles ins Wanken. Als der Krieg schließlich ausbricht, brutal und niederschmetternd endet, sind die Schuldigen schnell gefunden: die Juden. Es endet, wie so oft: tragisch - und die Täter sind die, die wir gemeinhin die »normalen Menschen« nennen. Auch der weltberühmte Autor Lion Feuchtwanger musste vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Das Spannungsfeld zwischen jüdischer Tradition und moderner Weltauffassung hat ihn in seinem Werk immer wieder beschäftigt. In DIE JÜDIN VON TOLEDO beschwört er die Kraft der Liebe und des Friedens inmitten kriegerischer Zeiten.

Mitwirkende

Stückentwicklung und Spiel: Kathleen Gaube, Ariella Hirshfeld, Sabine Köhler, Heiki Ikkola, Dirk Neumann | Puppenbau: Christian Werdin | Musik: Frieder Zimmermann | Mitarbeit Regie: Jörg Lehmann | Lichtdesign & Technische Leitung: Josia Werth | Videoschnitt und -projektion: Beate Gebureck | Bühnenbau: Peter Tirpitz | Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

Dauer: 100 Minuten

Mittwoch I 08.05.2024 I 20:00 Uhr I Gutmann-Saal
Donnerstag I 09.05.2024 I 20:00 Uhr I Gutmann-Saal
Voll:
18 €
Ermäßigt:
13 €
Schüler:innen, Studierende, Bürgergeld-empfänger:innen:
8 €

Beim Online-Ticketkauf sowie beim Kauf in einer reservix-Vorverkaufsstelle fallen zusätzliche Gebühren an. Diese entfallen beim Kauf an unserer Theaterkasse.

Pressezitate

»Ein Plädoyer für Toleranz als Mischung aus Schauspiel und poetischem Puppentheater. (…) Alle handelnden Figuren werden von Marionetten verkörpert, vom Puppenbauer Christian Werdin exklusiv hergestellt. Die sensibel geführten Marionetten entwickeln ein berührendes Eigenleben, eine emotionale Tiefe voll intensivem Ausdruck. Doch die Puppen sind nur ein Teil dieser Inszenierung. Die Spieler, an deren Fäden sie hängen, spielen selbst mit, singen und tanzen. (…) Dieses spielerische Miteinander der Stile hievt die thematisch schwere Gesellschaftsparabel auf ein leichtes, märchenhaftes Level.« (Dresdner Morgenpost)

»Alle fünf Spieler*innen beherrschen Schauspiel, besitzen markante Stimmen, vier wagen sich an Marionetten und drei beherrschen das qua Ausbildung ganz vorzüglich. Neben diesem Mix werden wie gewohnt alle Sinne strapaziert – Lichtregie, Video- und Musikeinsatz, teils auch choreographische Eleganz sind wie üblich im Einklang mit ungewohnten Theatermitteln: hier der Einsatz von großen Schulkarten, einer Art manueller Drehbühne und einem Röhrenradio plus Schreibstubenutensilien aus der Zeit der Romanentstehung vor zwei Generationen. Dazu singt Sabine Köhler solo vorzüglich wie schleppend eine Neuversion von Britney Spears‘ „Toxic“. Alle gemeinsam trällern zu Rammstein, während der Dresdner Musiker und Komponist Frieder Zimmermann hinten neben dem Technikpult live seine eigenen Arrangements per Gitarre einspielt.« (FIDENA - Das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst)

 

Diese Veranstaltung wurde gefördert von