Grafik: Stefan Voigt

BLUT AM HALS DER KATZE

Rainer Werner Fassbinder/Cie. Freaks und Fremde (Dresden)

Figurentheater

Inhalt

Eine Expedition in die Innereien menschlicher Beziehungen mit lebensgroßen Puppen Auf den ersten Blick ist Fassbinders Stück für heutige Betrachter:innen ein Rückblick auf die alte Bundesrepublik Deutschland. Nachdem die Cie. Freaks und Fremde sich schon seit Längerem mit einzelnen Szenen dieses Kaleidoskops befassten, wurde BLUT AM HALS DER KATZE im dreißigsten Jahr der deutschen Wiedervereinigung zu einer spannenden Retrospektive. In dieser Versuchsanordnung rücken Begegnungen, Offenbarungen, Lebensbeichten und Selbstauskünfte der einzelnen Figuren, die das Stück bevölkern, in unsere Gegenwart.

Mit Fassbinders liebevoller und gleichsam kritischer Gesellschaftsstudie lädt die Cie. Freaks und Fremde dazu ein, unser Miteinander und das Heute zu begreifen. Zehn Figuren bilden exemplarisch eine Gesellschaft ab, die geprägt ist von der Sehnsucht nach Liebe, Erfolg, von gegenseitigen Verletzungen, von der Sprachlosigkeit in Beziehungen und von Machtspielen. Fassbinders Stück ist poetische Bestandsaufnahme, Apokalypse, Science-Fiction und Gesellschaftsreigen und wird in dieser Inszenierung Thriller, Psychogramm und Tragikomödie zugleich - gespielt von zwei Darsteller:innen mit vielen Puppen.

»Phoebe Zeitgeist ist von einem anderem Stern auf die Erde geschickt worden, um eine Reportage über die Demokratie der Menschen zu schreiben. Phoebe Zeitgeist hat aber Schwierigkeiten, sie versteht die Sprache der Menschen nicht, obwohl sie die Worte gelernt hat.« (R. W. Fassbinder)

Mitwirkende

Inszenierung, Spiel und Szenografie: Sabine Köhler, Heiki Ikkola | Mitarbeit Regie: Jörg Lehmann | Puppenbau: Sabine Köhler | Video-Design und -Operator, Mitarbeit Puppenbau: Beate Oxenfart | Mitarbeit Szenografie: Yvonne Dick | Live-Musik: Daniel Williams | Lichtdesign & Technische Leitung: Josia Werth | Szenenfotos: André Wirsig | Alle Rechte beim Verlag der Autoren Frankfurt am Main | WERKSCHAU der Cie. Freaks und Fremde 2023, in Kooperation mit dem Societaetstheater. Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Dauer: 75 Minuten

Voll:
18 €
Ermäßigt:
13 €
Schüler:innen, Studierende, Bürgergeld-empfänger:innen:
8 €

Beim Online-Ticketkauf sowie beim Kauf in einer reservix-Vorverkaufsstelle fallen zusätzliche Gebühren an. Diese entfallen beim Kauf an unserer Theaterkasse.

Ergänzungen / Hinweise

Am 30.9. 2023 findet im Anschluss an die Aufführung ein Inszenierungsgespräch mit Prof. Markus Joss, Leiter Abteilung Zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin, statt.

Pressezitate

»Die Inszenierung der Compagnie „Cie. Freaks und Fremde“ – der Theatergruppe des jetzigen Soci-Chefs Heiki Ikkola – feierte am 9. Oktober eine begeisternde Premiere. Ihr Trick, das Publikum in die außerirdische Beobachtersituation der Phoebe Zeitgeist zu positionieren, ist ihre ureigene Passion: faszinierendes Figurentheater. Selten war die Trennung von Sprache und Körperlichkeit so dienlich dem Verständnis der Grundbotschaft eines Textes. Auch die Modellhaftigkeit der schlaglichtartigen Szenen und Monologe wird durch das Spiel mit Puppen verstärkt.« (Sächsische Zeitung)

»Das Spiel von Köhler und Ikkola mit den Puppen ist großartig, stimmig sind die Musik, das Lichtdesign, viele Szenen ziehen nicht zuletzt ob ihrer bemerkenswerten Atmosphäre nachhaltig in den Bann. Alle Register werden gezogen, um zu verblüffen. Wo eben noch eine Prostituierte räkelnd ihren Körper in einer rot ausgeleuchteten Box feilbot, da »schwimmt« in der übernächsten Szene ein Fisch – eine Projektion auf die nun zugezogenen Lamellen einer Jalousie macht’s möglich.« (DNN)

»Fünfzig Jahre ist der Stoff alt, überlebt ist er nicht. Was (1971) eine Auftragsarbeit fürs Nürnberger Stadttheater war, fügt sich genauso gut ins Heute. Die Compagnie hebt ihn in eine zeitlose Panoramabühne, die viel Raum fürs Spiel lässt.« (FIDENA Portal des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V.)

»Der Stoff ist ein bedrückender. Triebe und Getriebensein, körperliche Nähe durch Schläge, mit Duldsamkeit erstickte Träume, Ausweglosigkeit auf dem Höhepunkt der Karriere. Die Umsetzung mit lebensgroßen Puppen lässt die Charaktere noch mehr als Statist*innen in ihrem eigenen Leben erscheinen. Doch gerade in dieser Theaterform liegt auch ein tröstliches Moment: Innig werden die Figuren Sabine Köhler und Heiki Ikkola gehalten, geführt, gestoßen. Sie leihen ihnen Stimme und Augen, verleihen ihnen Tiefe und Ausdruck und helfen, wo es Not tut, mit Körperteilen aus.« (Neustadt-Geflüster)

Diese Veranstaltung wurde gefördert von