Residenzprogramm Neustart Kultur #takeheart

In Kooperation mit dem Netzwerk flausen+ und dem Fonds Darstellende Künste

In der Pandemie-Zeit sind die meisten Darstellenden Künstler:innen ohne ihre üblichen Bühnen-Engagements auf der Strecke geblieben. Zusammen mit dem Fonds Darstellende Künste und den Dachverbänden anderer Kunst- und Kultursparten, hat das Bundeskultusministerium das Programm »Neustart Kultur« aufgelegt. Teil dieses Programms ist das Unterprogramm #takeheart. Dieses ermöglicht es Künstler:innen für zwei Monate frei von Existenzängsten zu forschen und zu arbeiten. Dieses Projekt entstand in Kooperation mit dem Bundesnetzwerk flausen+ und dem Fonds Darstellende Künste.

Nachdem wir in der Spielzeit 20/21 bereits 12 dieser Residenzen an unserem Haus ermöglichen konnten, freuen wir uns 2022/23 sogar 24 derartige Residenzen realisieren zu können. Davon sogar fünf an neue Absolventinnen ihres Fachs. Hier möchten wir euch nun alle Teilnehmer*innen unseres Programms vorstellen.

 

 

Karin Herrmann

»Dshan« nach Andrej Platonow

Karin Herrmann arbeitete nach dem Abitur an Dresdner Theaterbühnen als Regie- und Dramaturgieassistentin, Souffleuse und Spielerin. Zudem war sie von 2007 bis 2009 Schauspielelevin der Künstlergruppe DRAMATEN. Nach erfolgreichem Studienabbruch der Theater-, Medien- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig wurde sie 2010 Mitglied der Cie. Freaks und Fremde. Von 2013 bis 2017 studierte Karin Herrmann Zeitgenössische Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch Berlin«. Sie war als Puppen- und Schauspielerin u.a. am Puppentheater Halle, der Schaubude Berlin, am Staatstheater Augsburg, am Societaetstheater Dresden und auf diversen Figurenfestivals zu sehen. Von 2017 bis 2021 absolvierte Karin Herrmann ihr Masterstudium der Musik- und Theaterregie an der Theaterakademie August Everding München (Leitung: Sebastian Baumgarten). Innerhalb des Regiestudiums inszenierte sie »HUH UH RAPPEL - Ein Gemütszustand am Rande« am Akademietheater München, »Der Krieg mit den Molchen« (Karel Čapek) in der Reaktorhalle München, »Antigone« (Jean Anouilh) sowie »Nichts. Was im Leben wichtig ist« (Janne Teller) am Theater Koblenz und drehte mit der Band The Lone Dining Society das Musikvideo zu »Brothers' Grimm«. Zudem nahm sie an der Masterclass SPIELART RESPONSES in München und an »Programa Dirección Escénica« des Goethe-Instituts Chile und der Stiftung Fundación Teatro a Mil teil. In Dresden wird im Rahmen von SOCIE ON TOUR die Inszenierung »frau verschwindet (versionen)« von Julia Haenni in der Regie von Karin Herrmann zu sehen sein.

»Die zwei Monate der Forschungsresidenz werde ich nutzen, um mich ausführlich mit dem literarischen Werk und der künstlerischen Welt des Schriftstellers Andrej Platonow (*1899 - †1951) auseinanderzusetzen und Geschichten und Szenen für die Theaterbühne herauszuarbeiten. Dabei werde ich besonderes Augenmerk auf die Novelle »Dshan und auf einige Aufsätze Platonows legen, welche den Schriftsteller auch als ökologischen (Vor-) Denker zeigen.«

 

Kathleen Gaube

»Asche im Mund«

Die 1967 geborene gebürtige Berlinerin wuchs in Halle (Saale) auf und studierte Schauspiel an der Hochschule »Ernst Busch« in Rostock. 1990 wurde sie von Peter Sodann an sein Neues Theater in Halle engagiert, an dem Kathleen Gaube zehn Jahre lang in über 40 Inszenierungen mitwirkte. Seit 2001 lebt sie in Dresden. 2008 gründete sie mit anderen Dresdner Künstler*innen die Gruppe DRAMATEN. Sie arbeitet als Sprecherin für Rundfunkanstalten, hat Schauspiel-Gastverträge am Societaetstheater, Hoftheater Dresden und dem Theater am Rand. Ihr jüngstes Bühnen-Projekt »Die Buchhändlerin« wurde von der Kulturstiftung Sachsen und vom Societaetstheater im Juni 2020 gefördert.

»Innerhalb meines Forschungsprojekts »Asche im Mund« werde ich mich intensiv mit dem Thema Depression beschäftigen. Mehr als vier Millionen Deutsche sind an Depression erkrankt, über die Hälfte Frauen! Ich, selbst betroffen, beschäftige mich mit diesem Thema, indem ich verschiedene künstlerische Ebenen miteinander verwebe, sie in Berührung, in Schwingung bringe: Bildende mit darstellender Kunst, Musik mit Games, eigene mit gesellschaftspsychologischen Erfahrungen. Ich will erforschen, was es heißt, mit einem ganz persönlichen Thema in die Öffentlichkeit zu gehen. Wie kann es mir gelingen, nicht nur meine, sondern auch die gesellschaftlich politische Dimension zu erfassen, um dem Ganzen ein Gesicht zu geben? Welche Mittel eigenen sich, um meine Geschichte zu erzählen, um den emotionalen Brocken theatral zu zerschlagen? Wie kann man die einzelnen Teile neu zusammenfügen?«

www.kathleengaube.de

 

Yamile Navarro

»Ich werde mich nur bewegen, wenn ich spreche«

Yamile A. Navarro L., wurde in Mexiko-Stadt geboren. Sie begann ihre professionelle Tanzausbildung in Mexiko. Jahre später zog sie nach Spanien und setzte ihre Tanzausbildung in Barcelona fort, wo sie ihren Abschluss als Klassische Tänzerin am “Institut del Teatre” machte. Im Jahr 2009 zog sie nach Dresden. Im Juli 2012 beendete sie ihr Studium zur Bühnentänzerin an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden. Derzeit lebt sie in Dresden und arbeitet als freischaffende Tänzerin und Choreografin. Sie arbeitet in verschiedenen künstlerische Projekten mit verschiedenen Kompanien und Künstlern aus der ganzen Welt zusammen. Zeitgleich produziert sie ihre eigenen Projekte als Choreografin, inspiriert durch Sci-Fi, Bücher, Mode und alte Zivilisationen, sie kombiniert verschiedene Tanz Stile und Künste um ihre Arbeit zu vervollständigen. Wobei Tanz und Bewegung die Hauptquelle des Ausdrucks bleiben.

»Während meiner zweimonatigen #TakeHeart Residency am Societaetstheater Dresden konzentrierte ich mich vor allem darauf, verschiedene Wege zu finden, wie ich durch den Einsatz meiner eigenen Stimme Bewegung erzeugen kann. Eine umfassende Dokumentation meiner Recherchen ist ebenfalls ein wichtiger Teil meiner Residenz, denn ich möchte eine solide Grundlage für meine zukünftigen künstlerischen Projekte schaffen.«

www.yamanalu.com

 

Max Reiniger

»Metaverse: Der Wald ein Forschungsprojekt zu den ästhetischen Bedingungen des Realen«

Max Reiniger arbeitet als freischaffender Autor und Theatermacher. In seiner Arbeit interessieren ihn zeitgenössische Konzeptionen von Realität, Wirklichkeitsbezug als künstlerische und kuratorische Strategie sowie die besonderen ästhetischen Bedingungen des Realen. Die theoretisch-kritische Reflexion ist Teil seiner Theaterpraxis.
 In unterschiedlichen Zusammenhängen ist er als Performer, Dramaturg und Kurator an Projekten der freien Szene beteiligt und entwickelt eigene Inszenierungen.
 Er schreibt Theatertexte, veröffentlicht zu Theaterfestivals und bildet gemeinsam mit Julia Buchberger und Patrick Kohn die 'Arbeitsgruppe für performative Dramaturgie und institutionsästhetische Forschung'.

Über seine Residenz:
Es ist die Neugründung einer Akademie im Moos, denn dazu braucht es Ruhe und frische Luft. Auf dem Weg von der Bühne in den Wald wird untersucht, wo nochmal die Grenze lag zwischen dem Realen und Virtuellen, dem Fakt und der Fiktion, zwischen der Erzählung und dem Ereignis und wie er sich nochmal anfühlt, dieser flimmernde Punkt an dem sie sich berühren.

www.maxreiniger.de

 

Sabine Köhler

»Der unsichtbare Darsteller«

Sabine Köhler (Berlin) studierte Puppenspielkunst an der HfS ‚Ernst Busch‘. Sie gehört zum Team der Cie. Freaks und Fremde und arbeitet als freie Darstellerin, Performerin und Puppenbauerin im Bereich des Objekt- und Puppentheaters und in Kollaboration mit Künstlern anderer Genres.

Über ihre Residenz: »Ich möchte mich konzeptionell mit dem Phänomen des unsichtbaren Darstellers auseinandersetzen, die Beschäftigung mit Vorstellung und Verrücktheiten unserer Wahrnehmung ist Teil dieser Recherche: 

… wir sehen … was wir sehen wollen … wir sehen selbst … wenn wir nichts sehen … 

In diesem Sinne möchte ich, basierend auf dem Roman ‚Geek Love’ von Katherine Dunn, performative Mittel untersuchen, die der Vorstellungswelt der literarischen Vorlage und der des Zuschauers größtmöglichen Freiraum lassen. Ausgangsmaterial wird eine von mir eingesprochene AudioVersion des Textes sein.«

www.freaksundfremde.com

 

Everyone Company

»John Morans Performance-Technik«

Die Dresdener ‚everyone company‘, eine Gruppe von Tänzerinnen und Musikerinnen unter der künstlerischen Leitung des Komponisten John Moran, wurde 2020 gegründet, um die gemeinsame Arbeit an der unverwechselbaren Kompositions- und Performancetechnik John Morans weiterzuentwickeln und diese dem deutschen und europäischen Publikum zu präsentieren. In erweiterten Konstellationen führte die Gruppe bereits 2017 und 2018 Werke des Komponisten auf.

Chiara Detscher, Kristin Mente und Jule Oeft beschäftigten sich während ihrer Residenz mit der Kompositions- und Performancetechnik von John Moran. Dabei konzentrierten sie sich auf den Entstehungsprozess der Charaktere hinsichtlich des Soundtracks und des mimisch und gestischen Ausdrucks und entwickelten auf der Basis ihrer Ergebnisse eigene musikalisch-theatralische Portraits. Anhand der eigenen Performance-Erfahrung mit John Moran, sowie durch Videoanalysen untersuchten sie Bewegungsmaterial hinsichtlich unterschiedlichster Aspekte.

 

Katja Erfurth

»schicht weise«

1981–90 Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden, 1990–97 Engagement im Ballett der Sächsischen Staatsoper Dresden. Seit 1997 freiberuflich tätig, u.a. zahlreiche Soloabende, Choreografien für Inszenierungen im Musik- und Sprechtheater wie für Schülertanzprojekte. Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Dresden. Mit dem Dore Hoyer gewidmeten Tanzabend »Tänze in SCHWARZWEISS« wurde Katja Erfurth für den Sächsischen Tanzpreis 2015 nominiert. Sie ist außerdem in verschiedenen Fach- und Kulturbeiräten sowie Jurys tätig. Katja Erfurth erhielt 2020 den Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden.

Die Tänzerin und Choreographin Katja Erfurth untersuchte während ihrer RESIDENZ FLAUSEN öffentliche Orte der Dresdner Neustadt auf ihre Stadt-Geschichte. Sie forschte nach nicht mehr existenten Bauwerken, begrabenen Begegnungsorten und umgestalteten Straßen und Plätzen. Vor allem der Bombenangriff am 13. Februar 1945 zerstörte unwiederbringlich zahlreiche Orte des gewachsenen Stadtleben Dresdens. Die RESIDENZ schaffte die Grundlage für ein künftiges fundiertes Erarbeiten der choreographisch-tänzerischen Episoden, die Tanz und Musik in verschiedene Kontexte stellen und das Vergangene mit dem Gegenwärtigen verbinden.

 

Das Stipendienprogramm flausen+ 2021

Für das Förderprogramm #TakeCareResidenzen kooperiert flausen+ mit dem Fonds Darstellende Künste, um mit seinem Stipendiennetzwerk freischaffende Künstler:innen zu unterstützen. #TakeCareResidenzen hat zum Ziel, ausgewählte, frei produzierende Künstler:innen und Gruppen, die durch die Covid-19-Pandemie und die Einschränkungen im kulturellen Sektor existenziell betroffen sind, für jeweils mindestens zwei Monate zu begleiten und zu stärken. Die Künstler*innen, die dieses Stipendium in Kooperation mit dem Societaetstheater durchführen, stellen wir hier vor...

 

 

Momo Ekissi

»Liebesgesänge«

Momo Ekissi wurde unter dem Namen Ekissi Eugène Moumon in der kleinen Stadt Tiassalé, rund 100 Kilometer der ivorischen Metropole Abidjan geboren. Heute lebt und arbeitet er in Freiburg. Er ist Regisseur, Schauspieler und Erzähler.

»Momo - unter diesem Namen kennen mich die meisten - Sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder, mit denen ich sehr gerne arbeite. Das Theater ist meine Leidenschaft aus der glücklicherweise mein Beruf geworden ist. Nach dem Studium (Jura und Theaterwissenschaft) habe ich mich ausschließlich der Kunst zugewandt, die Menschen zu den Menschen führt und unsere Unterschiede als gemeinsamen Reichtum erkennt. Aufgrund meiner Erfahrungen, meiner Reisen und meiner Begegnungen bin ich zu einen Kulturvermittler geworden, einem Brückenbauer, einem Bindestrich. Das Beste, was mir in diesem Sinne passieren konnte, ist diese Künstlerische Residenz mit dem Projekt #takecare. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine Herzensangelegenheit, die ich »Liebesgesänge« nenne, zu verwirklichen.«

 

 

 

Shahab Anousha

Szenische Forschung zu performativen Verhältnissen von Körper und Abwesenheit


Shahab Anousha hat eine solche Residenz in Kooperation mit dem Societaetstheater erhalten. Er ist in Teheran geboren und lebt seit ein paar Jahren in Berlin. Er studierte lange Zeit Theater und Performance, war aber gleichzeitig bei verschiedenen Gruppen als Performer tätig. Nach seinem Studium „Performance Studies“ in Hamburg begann er auch als Dramaturg zu arbeiten. In seinem aktuellen Forschungsprojekt stellt er die potenzielle Macht der „Abwesenheit“ der Macht der sogenannten „Präsenz“ eines Körpers gegenüber. „Wenn man in der Theorie von „Körper“ spricht, meint man ein Phänomen, das sich ständig verändert und stets eine neue Seite von sich selbst zeigt. Diese konstante Veränderung des Körperverständnisses ist natürlich auch Teil des Theaters, in dem der Körper zu einem Material wird, das mit Haut, Haar, Fleisch und Blut sowie in digitalen Transformationen gezeigt werden kann. Ich möchte dafür performative Übersetzungen finden und im Rahmen des Residenzprogramms am Societaetstheater ausprobieren.“

Yamile Anaid Navarro Luna, Daniel Williams & Sabine Köhler

»OURDARKNESS«

Yamile Anaid Navarro Luna (Mexico City) studierte Tanz in Mexico, Barcelona und Dresden. Sie arbeitet als freie Tänzerin, Performerin und Choreographin eigener Produktionen und in Kooperation mit verschiedenen Künstlern und Companies.
Daniel Williams (Schottland) studierte Literatur und Musik in Oxford und Edinburgh. Als freier Komponist ist er vor allem im Bereich Tanztheater und Theater tätig und veröffentlicht eigene Alben auf phonecake.org.
Sabine Köhler (Berlin) studierte Puppenspielkunst in Berlin. Sie gehört zum Team der Cie. Freaks und Fremde und arbeitet als freie Darstellerin, Performerin und Puppenbauerin im Bereich des Objekt- und Puppentheaters und in Kollaboration mit Künstlern anderer Genres.

Drei KünstlerInnen, drei Menschen - experimentieren mit der Dunkelheit und tauschen uns aus: Über Theater und Albträume; über Bewegung, Denken und die Illusion; über Gott und die Welt, Manns- und Weibsbilder; über begrenzte Möglichkeiten und schwarze Löcher des Universums. OURDARKNESS ist eine Untersuchung zur Verständigung und Verbindung unserer Genres in Beziehungen mit fließenden Grenzen: Authentizität - Inszenierung; Theater - Performance; Tanz - Bewegung; Musik - Sound - Stimme; Objekt - Subjekt; Zuschauer - Performer; Ich - Du - Dunkelheit. Wir wollen uns mit uns beschäftigen, mit der Weiterführung unserer Begegnung im Leben und auf der Bühne; auf der Suche nach authentischem Dialog, nach dem Theater, das zwischen uns entstehen kann, wenn es (noch) keine genaue Vorstellung einer Vorstellung gibt. OURDARKNESS ist eine Frage der Zeit, eine Recherche mit ungewissem Ausgang.

»Die Nacht zwingt uns auf uns selbst zurück, denn die fassbare Welt wird unsichtbar. Wenn der visuelle Cortex, der analytische, alles Sichtbare verarbeitende Teil des Gehirns ausgeschaltet ist, verwischen Traum und Wirklichkeit. Gedanken strömen frei, unvernünftig, kreativ. Wir verhalten uns riskant, werden zutraulich oder betrügen. Dunkelheit enthemmt. Mentale Grenzen werden durchlässig. Im Innern geht der Vorhang auf. Unendlicher Raum, Bühne körperloser Schatten, Zeit des Kopftheaters.«

 

 

JuWie Dance Company

»Netzwerk und Kommunikation«

Die JuWie Dance Company ist dreiköpfige Tanztheatergruppe mit Arbeitsmittelpunkt in Dresden, gegründet 2013 von den Tänzerinnen Wiebke Bickhardt und Jule Oeft. Jule Oeft studierte am Zentrum für zeitgenössischen Tanz Köln. Seit 2011 ist sie als freischaffende Tänzerin in Dresden tätig. Sie ist künstlerische Leiterin, Tänzerin und Choreografin der Company. Wiebke Bickhardt studierte an der Palucca Hochschule für Tanz. Nach ihrem Abschluss 2011 arbeitete sie als freischaffende Tänzerin und Tanzpädagogin in Dresden. Sie ist Geschäftsführerin der Company. Benjamin Rottluff studierte Musikwissenschaft in Dresden. Seit 2018 arbeitet er als Musiker und Projektkoordinator für JuWie.

»Wir haben eine Vorliebe für Themen, die eher am Rande stehen oder gar aus dunklen Nischen hervorgeholt werden. Wir verbinden in unseren Stücken drängende gesellschaftliche Fragen mit individuellen Assoziationen und unserem persönlichen Zugang. Dabei nutzen wir die Mittel der Improvisation und des zeitgenössischen Tanztheaters genauso wie Impulse aus anderen Kunstgattungen. Die Residenz möchten wir nutzen, um zu unserem Kern, unserer Kunst, zurückzukehren. Wir nutzen die thematische Headline »Netzwerk und Kommunikation«, um auf unterschiedlichen Wegen die Bedeutung dieser Begriffe für unsere Arbeit zu (er-)klären. Einerseits sind wir abhängig von Netzwerken, anderseits tendieren wir dazu, uns in ihnen zu verlieren.  Auf welchen Wegen kommunizieren wir und wie können wir Missverständnisse vermeiden? Und was hat das alles mit Pilzen zu tun?«

 

 

Tanja Mette-Zimmermann

»13. Februar 1945 OFFENE WUNDE Tiefenschürfung vs. Schärfentiefe«

Tanja Mette-Zimmermann studierte Dramaturgie in Leipzig und Neue Medien in Dresden. Als freie Dramaturgin, Autorin und Kuratorin ist sie mit vielen Künstlern unterschiedlicher Genres tätig.

»Was ich mag: In Untiefen von Widersprüchen in der Historie hinabsteigen. Eintauchen. Und: auch wiederauftauchen. Was ich nicht mag: Wenn die Zeit dazu fehlt. Meine Residenz möchte ich nutzen, eine bereits langjährige Recherche und Auseinandersetzung mit dem 13. Februar 1945 in Dresden fortzuführen. Das Datum löst in Dresden seit Jahren gemischte Gefühle aus. Die Bombennacht von 1945 tritt dabei häufig in den Hintergrund der Auseinandersetzungen. Ein Ringen um die Deutungshoheit des geschichtlichen Ereignisses bestimmt die Debatten und das Agieren im öffentlichen Raum. Dabei gehen die Versuche, die persönlichen Erfahrungen und das Erleben des Einzelnen zu beleuchten, oft unter. »13. Februar 1945 OFFENE WUNDE Tiefenschürfung vs. Schärfentiefe« möchte Einzelschicksale in den Vordergrund der künstlerischen Auseinandersetzung stellen. Es ist eine individuell verhaftete Tiefenschürfung, eine Verortung individueller Schicksale. Konkret, unmissverständlich und berührend.«

 

 

Oda Jekaterina Pretzschner

»Zivilcourage versus privates Glück«

Oda Jekaterina Pretzschner schloss 1994 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig ab. Ihre Engagements führten sie u.a. ans Staatsschauspiel Dresden, die Kammerspiele Magdeburg, das Schauspiel Köln, die Opernhäuser Basel und Lübeck, wo sie Sprechrollen in Opern übernahm, sowie ans Schauspiel Frankfurt am Main. Seit 2007 arbeitet sie freischaffend als Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin.

»Ich bin neugierig auf Menschen, ihre Geschichten, ihr Verhalten in bestimmten Situationen. Als Ausgangspunkt meiner Recherche habe ich mir die antike Figur Ismene herausgesucht, weil ich finde, dass sie für viele von uns steht. Sie ist eine Nebenfigur der Geschichte, eine, die nicht mutig war, die nichts Großes vollbrachte, die den Lauf der Ereignisse eher vom Rand her beobachtet hat. Keiner spricht über sie, aber jeder kennt ihre Schwester Antigone, ihren Bruder Polyneikes, ihren Vater Ödipus: alles »Helden«. Ich möchte Ismene eine Stimme geben. Ich werde ein Interview mit ihr führen, in welchem ich ihr Nicht-Handeln, ihr Verhältnis zum Heldentum, zu Feigheit, Mut, Verantwortung und der Frage, was ein gelingendes Leben für sie bedeutet, thematisiere. Dieselben Fragen stelle ich Menschen von heute aus allen Gesellschaftsschichten. In der Gegenüberstellung dieser Antworten interessiert es mich, herauszufinden, was Menschen dazu bewegt, in die Arena zu gehen und für etwas gerade zu stehen, oder wann sie für sich das Recht einfordern, sich ins Private zurückzuziehen und keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Wer empfindet wann überhaupt eine Verantwortung und handelt jeder, der sich verantwortlich fühlt, auch seinem Gefühl gemäß?«

 

 

Felicia Daniel

»Recherche zum Umgang mit Ausnahmesituationen anhand von »Bilder deiner großen Liebe«

Felicia Daniel ist freischaffende Regisseurin. In ihren Konzepten verbindet sie die Bildenden und Darstellenden Künste miteinander. Zudem arbeitet sie mit gehörlosen Schauspieler:innen zusammen und sucht mit ihnen nach Wegen, Theater für hörende und gehörlose Zuschauende zu inszenieren. 

Dem »Üblichen« entkommen: Ich frage mich, ob es nicht gesünder sein könnte, sich von dem Anspruch der »Normalität« und des »üblichen Verhaltens« zu lösen. Geht es mir gut damit, normal zu sein? Die Figuren in Wolfgang Herrndorfs Roman »Bilder deiner großen Liebe« lassen sich in ihrem Verhalten und Sein weder als normal noch als üblich beschreiben. Trotzdem haben sie scheinbar Bewältigungsmechanismen für ihr Leben gefunden, die sie so viel gesünder erscheinen lassen, als ich mich in meiner Schablone des Üblichen fühle. Wie kann ich neu und anders denken lernen? Gedanken verfertigen sich über Sprache. Wenn ich die Logik meiner Sprache anderen Kriterien unterwerfe, kann ich mich vielleicht von der Enge des Üblichen befreien und muss »normal« nicht länger als ein- und ausgrenzendes Element mit mir herumtragen. Um jeden Satz des Romans anders und neu zu denken, möchte ich die Residenz nutzen, um eine gebärdensprachliche Fassung des Textes zu erstellen. Ich möchte versuchen, den Text in Bildern und Gebärden zu denken und freue mich darauf, dafür Hilfe und Beratung von gebärdensprachlichen Expert:innen zu bekommen. 

 

Ariel Doron

»Essensspiele«

Ariel Doron ist als Regisseur für Figurentheater und Performer tätig. Er studierte Figurentheater an der School of Visual Theatre, Jerusalem und Film an der Tel Aviv Universität. Er arbeitete u.a. mit Maxim Gorki, TJG Dresden und der Schauburg in München. Mit seinen Solos wurde er in mehr als 30 Länder eingeladen, zwei seiner Stücke zur »Augenblick Mal« Biennale des Theaters für junges Publikum in Deutschland.

»Mit dem Projekt »Essensspiele« fordere ich dazu auf, den Ort zu erkunden, an dem wir Nahrung finden. Es betrachtet die Dinge, die wir anbauen, kaufen und essen und wirft einen genauen Blick darauf, wie wir Essen zubereiten und konsumieren. Ich untersuche verschiedene soziale Etiketten, wie Essen gegessen oder zubereitet werden »soll«. Ich werde darum bitten, das Essen, mit neuen Augen zu betrachten und dabei zu versuchen, nichts als selbstverständlich zu betrachten, sondern zu überprüfen, was für uns Essen ist, wie wir es angehen, was wir daraus lernen und wie wir Essen als Aktion neu denken können. Dies geschieht, indem Essen auf der Bühne zubereitet und mit verschiedenen Zubereitungsarten gespielt wird, auch beim Konsumieren und Servieren. Das Projekt wird mit verschiedenen Techniken der Live-Video- und Makrofotografie experimentieren, die es uns ermöglichen, tief in das Essen einzutauchen und viele kleine Details und Texturen zu entdecken, von denen wir normalerweise nicht einmal wissen, dass sie vorhanden sind, und so eine Reise in die Welt des Essens zu unternehmen.«

 

 

Thomas Dannemann

»Schlaf. Erzählung eines Auserzählten«

Thomas Dannemann wurde in Bad Saarow geboren. Er hat von 1990 bis 1994 an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch“ studiert und an vielen Theatern im deutschsprachigen Raum gespielt, unter anderem am Burgtheater Wien, am Deutschen Theater Berlin, der Schaubühne Berlin und dem Düsseldorfer und Hamburger Schauspielhaus. Ab 1999 begannen in Dresden seine ersten Regiearbeiten, die sich fortsetzten an Theatern in Bochum, Düsseldorf, Köln, München, Leipzig, Göttingen, Hannover, Frankfurt am Main und vielen mehr.

»Meine Residenz ist ein Recherche- und Schreibprojekt. Die Prämisse lautet: »Der Mensch ist ein Tier, dem man die Lage erklären muss“. Es ist ein Projekt über das verunsicherte, in Not geratene, nicht nur in die Welt, sondern auch auf sich selbst geworfene und sich daran erschöpfende Selbst, das Welten durchquert, auf der Suche nach einer Selbsterzählung, die auf Resonanz durch andere stößt, seiner Kapazität angemessen ist, ihm plausibel vorkommt und es sinnstiftend zu erlösen scheint. Ich recherchiere über sein Bedürfnis, sich in einer Gruppe einfinden zu können, durch eine Erzählung einen Platz zugewiesen zu bekommen, diese Erzählung zu übernehmen und weiterzuerzählen. Es konkurrieren unterschiedliche Erzählungen von gesellschaftlichen Gruppen und konkurrierenden Machtverbänden, die versuchen, ihre Erzählung zur dominierenden zu machen und damit ihren Einfluss zu vergrößern, um ihre Interessen durchzusetzen. Darüber, dass Erzählungen nicht aus sich heraus existieren, sondern wir ihre Relevanz und ihren Wahrheitsgehalt aushandeln müssen, um ein soziales Miteinander möglich zu machen, weil wir ohne Sinnstiftung nicht auskommen. Bis hin zu der Frage, welchen, über den Menschen hinausgehenden, strukturellen Zusammenhang es zwischen der technischen Weiterentwicklung, u. a. auch in den sozialen Medien und dem eventuell irreversiblen Erodieren von Konsenserzählungen in unseren heutigen Gesellschaften gibt.«