EINE GEBROCHENE FRAU
(Simone de Beauvoir)
Für Monique, 44, Mutter zweier erwachsener Kinder und Frau eines erfolgreichen Wissenschaftlers, bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr Mann sie seit Jahren mit einer anderen betrügt und nun verlassen will. Während sie auf ihn wartet, gerinnt die Zeit. Verzweifelt schwankend zwischen der Illusion, dass sich ihre Ehe wieder fügt, und der langsamen Erkenntnis, dass wohl nichts mehr zu retten ist, erlebt sie ihre eigene Höllenfahrt. Gebrochen muss sie erkennen, dass niemand sie in ihrem Käfig hält als sie selbst.
"Ich fühle mich mit allen Frauen verbunden," schreibt Simone de Beauvoir "die ihr Leben auf sich nehmen und dafür kämpfen, dass es glücklich wird; aber das hindert mich nicht daran, mich besonders für jene Frauen zu interessieren, die dabei mehr oder weniger gescheitert sind, und darüber hinaus für all die Niederlagen, die es in jedem Leben gibt."
"Beklemmend präzise [... und hat] genau den Effekt, den gutes Theater haben soll: Vorhang zu und alle Fragen offen." (DNN)
Fotos: Robert Jentzsch
Pressestimmen
Angst wird zum Kraftspender
"Eine gebrochene Frau" hatte am Sonnabend im Societaetstheater Premiere.
Am Ende sagt Beate Laaß als 44-jährige Monique: "Ich habe Angst." In diesem Satz liegt nichts Deprimierendes, sondern die Kraft für einen Neuanfang. Monique geht durch die Hölle, um zu sehen, dass die Freiheit ihre Chance zur Verwirklichung birgt. Monique ist "Eine gebrochenen Frau". Das Solostück von Simone de Beauvoir erlebte in der Regie von Anke Salzmann am Sonnabend im Societaetstheater seine gelungene Premiere.
Zweifel und Hoffnung
Beate Laaß schafft es, den Zuschauer fast 90 Minuten lang mit dem Schicksal einer verlassenen Frau zu fesseln. Auch, weil sie durch ein nachvollziehbares Spiel viele Momente schafft, die dem Zuschauer nicht fremd sind. Requisiten und gekonnt eingesetzte Lichtstimmungen unterstützen die Schauspielerin bei ihrer intensiven und differenzierten Darstellung.
Ihre Monique durchläuft alle Stufen einer Trennung nach vielen Ehejahren. Glaubwürdig lässt Beate Laaß erleben, wie diese Frau zwischen Zweifel und Hoffnung schwankt, in tiefste Verzweiflung gerät und doch zu sich findet. So erlebt der Zuschauer die Wandlung der Figur von der scheinbar glücklichen zur unglücklichen aber selbstbewussten gereiften Frau. Monique wird ihren Weg finden. Viel Beifall.
SZ | März 2009
Mutlose Medea
"Eine gebrochene Frau" hatte Premiere am Societaetstheater
"Das Standbild liegt zertrümmert am Boden", stellt die 44-jährige, zweifache Mutter Monique über ihre gutbürgerliche Ehe fest, als sie erfährt, dass ihr Mann sie jahrelang betrogen hat. In einer 90-minütigen Bühnenfassung wird die verzweifelt auf die Heimkehr ihres Gatten wartende Anti-Heldin des Stückes "Eine gebrochene Frau" von der Schauspielerin Beate Laaß im kleinen Saal des Societaetstheaters verkörpert. Der ursprüngliche Prosatext entstammt einem gleichnamigen Band, der drei verschiedene Frauenschicksale erzählt, über die ihre Autorin Simone de Beauvoir einst sagte: "Diese Geschichten haben keine Moral; Lektionen werden nicht erteilt; ich wollte etwas ganz anderes."
Und tatsächlich: Eine Moral oder Lehre sucht man vergeblich, während man Monique in ihrer verzweifelten Zwiesprache mit sich selbst beobachtet. Ihr Mann, ein erfolgreicher Arzt, dem sie als Hausfrau und Mutter ihr Leben widmete, hat sich von ihr abgewandt und neues Glück bei einer erfolgreichen Karrierefrau gefunden, die alles verkörpert, was Monique nicht ist. Er braucht sie nicht mehr und auch ihre Kinder brauchen sie nicht mehr, denn die beiden Töchter sind erwachsen und längst aus dem Haus. Was nun einsetzt, ist der langsame, schmerzhafte Prozess der Bewusstwerdung einer Frau darüber, dass ihre idyllische, heile Welt eine Farce ist. Simone de Beauvoir stellte in diesem Text von 1967 die zentralen Fragen der Frauenbewegung an ein überkommenes Rollenbild.
Beklemmend präzise zeigt Beate Laaß das Dilemma der Monique auf: Diese Frau hat sich stets nur durch die Urteile anderer über sie selbst definiert. Wie ein Mantra wiederholt sie wieder und wieder die lobenden Bemerkungen ihrer Töchter oder die einstigen Liebesbekundungen ihres Mannes, um plötzlich zu erkennen: "Um zu wissen, warum er mich nicht mehr liebt, müsste ich erst wissen, warum er mich überhaupt geliebt hat." Die Frau, die Beate Laaß dem Publikum zeigt, besteht nur aus dem, was andere einmal über sie gesagt haben und fällt - als diese anderen sie verlassen haben - vor den Augen der Zuschauer in einen kläglichen Scherbenhaufen zusammen.
Regisseurin Anke Salzmann hat die Hauptperson zu diesem Zweck ohne besonderes Kostüm oder Staffage auf eine karge Bühne gestellt, die sich nur durch ein verändertes Licht in einen Meeresstrand verwandelt oder mit ein wenig Hintergrundmusik zum Nachtclub wird. Das reicht aus, denn Beate Laaß braucht für ihr intensives Spiel keine Hilfsmittel. Es gelingt ihr, das Publikum schwanken zu lassen zwischen Mitleid mit Monique, Ablehnung, Wut auf diese Person, die doch ein Klischee verkörpert; das wir hinter uns gelassen glauben und auch wieder Traurigkeit über die Enttäuschung, die dieser Frau widerfährt und sie lähmt und hilflos macht. Selbst der Weg in die Zukunft wird ihr noch diktiert: Ihr Mann verlässt sie und Monique muss gezwungenermaßen den bedrohlichen Schritt hin zu einem einsamen Neubeginn wagen: "Die Tür zur Zukunft wird sich öffnen. Langsam und erbarmungslos. Ich habe Angst", lauten die letzten Worte in diesem Stück, das dem Zuschauer tatsächlich keine Moral von der Geschicht' mit auf den Nachhauseweg gibt, sondern genau den Effekt hat, den gutes Theater haben soll: Vorhang zu und alle Fragen offen.
DNN | März 2009
Eine gebrochene Frau
Allmählich kommt sie in die Geschichte hinein und wir erleben, wie hier jemand schwankt zwischen Verdrängen und Verzweiflung, wie schließlich eine tatsächlich "gebrochene Frau" nach Rechtfertigung für ihr bisheriges Leben sucht. Zu bemerkenswerter Form läuft Beate Laaß u. a. dann auf, wenn die gute Monique in ihrem Weltschmerz beim Inhalt eines übermäßig gefüllten Kognakschwenkers Trost sucht und ein leichter Schwips (ohne nahe liegende, aufgesetzte Effekte!) die Ausweglosigkeit vorübergehend ein wenig überdeckt, oder wenn sie gegen den Vorwurf ihrer Nebenbuhlerin, sie gehöre zu den "Frauen, die ihre Tage mit Nichtstun verbringen", angeht. Da meint man, ein Auflehnen zu spüren, und so langsam kommt Hoffnung auf, dass Monique es schaffen wird, die Situation auch in ihrer Unumkehrbarkeit anzunehmen. Dennoch gibt es kein Happyend - was bleibt ist Angst! Licht aus.
Anke Salzmann hat das Ganze mit einfachen Mitteln und doch wirkungsvoll in Szene gesetzt. Ein mit Requisiten äußerst sparsam ausgestatteter Raum wird durch die Darstellerin "erspielt", nur unterstützt von dezenten, je nach Stimmungslage wechselnden Licht- und Toneffekten.
Beate Laaß und ihre Regisseurin können zum Schluss den herzlichen Applaus des Premierenpublikums entgegennehmen.
Theaternarr.de | 01. März 2009
Mitwirkende
Regie: Anke Salzmann | Spiel: Beate Laaß



