the guts company

DAS EIGENE / HEIMAT

Termine
(diese Preise gelten nur an der Theaterkasse)
Inhalt
Hirschgeweih, Schwarzwälder Kirschtorte, Platte, Lederhose, Vollkornbrot. Typisch deutsch oder doch nur lauter Klischees? Kann sich die junge Generation unseres Landes, die global vernetzt ist, multikulturell und weltbürgerlich, noch mit Traditionen und Bräuchen ihrer Heimat identifizieren?
Uns bekannt sind unsere Traditionen, egal ob Landes- oder Familienriten - wir haben sie mit der Muttermilch aufgesogen, sie umgaben und umgeben uns täglich. Andere Traditionen gehören eher der Vergangenheit an, werden nicht mehr praktiziert - Gründe dafür gibt es viele. Das deutsche Liedgut und der deutsche Volkstanz sind Formen unserer Traditionen, die identitätsstiftend waren und sind. Sie gaben Sinn und schufen ein Gemeinschaftsgefühl. Tänze und das gemeinsame Singen geben einen klaren Rahmen vor, wer drin ist und wer nicht - die Grenze verläuft am Beherrschen des Tanzes und Kennen der Noten.

Mit den recht beispielhaften Geschehnissen und Entwicklungen in Dresden und Sachsen in den letzten Monaten ist der Heimatbegriff wieder in aller Munde, in den Medien, in sozialen Netzwerken, am Stammtisch. Wir befinden uns zwischen den Attributen multilokal, polyzentrisch, weltoffen und den sich zutragenden Demonstrationen, brennenden Flüchtlingsheimen und inzwischen tätlicher Gewalt gegen Geflüchtete.

Den Dresdner Gnadenchor, Johanna Roggan und auch die Tänzerinnen Anna Fingerhuth, Cindy Hammer, Jule Oeft, Romy Schwarzer und Simone Detig verbindet die deutsche Heimat. Sie sind fast alle auf ihre ganz eigene Art in Dresden und der Region verwurzelt.
Ausgehend vom einenden Faktor der gemeinsamen Heimat entsteht eine Produktion, die sich intensiv mit dem vermeintlich Eigenen auseinandersetzt. Wie viel Wurzel brauchen wir, um eine eigene Identität herausbilden zu können? Und wie steht dies dem Wunsch nach Neuem, nach Zukunft und Vision gegenüber?
Was ist Heimat heute für uns? Brauchen wir eine Definition? Und wenn ja, ist es ein physischer Ort, ein Zustand oder bestimmte Umstände?

Die Produktion wird gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes, der Landeshauptstadt Dresden - Amt für Kultur und Denkmalschutz und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank.
Mitwirkende

Choreografie: Johanna Roggan | Tanz: Anna Fingerhuth, Simone Detig, Jule Oeft, Cindy Hammer, Romy Schwarzer | Musik: Frieder Zimmermann in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Gnadenchor | Chorleitung: Max Rademann | Kostüm: Julia Pommer | Dramaturgie: Célestine Hennermann | Licht: Falk Dittrich | Produktionsleitung: Josefine Wosahlo | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dana Bondartschuk | Finanzmanagement: Judith Hellmann | Produktionsassistenz: Sebastian Beeskow | Produktionspraktikum: Jana Zimmermann | Chor: Frank Zitzmann, Sascha Mühlenhoff, René Vogt, Jens Zander, Stephan Gebhardt, René Moldau, Peter Tirpitz, Christian Bohn, Martin Büst, Andreas Reisner, Tilman Schüler und Max Rademann (Chorleitung)

Fotos: Benjamin Schindler

Pressestimmen

„Die Produktion macht neugierig, sorgt für Assoziationen, denen sich keiner entziehen kann. Speziell dann, wenn es darum geht, nachzudenken, was eigentlich Heimat, das Eigene bedeutet. Mit allen Sinnen zu erspüren, wie und wo man verwurzelt ist, in welcher Sprache man spricht, welche Bindungen es gibt. Und dazu gehören ebenso kulturelle Prägungen, ein genaues Hinhören, Hinschauen, wenn es um Lieder oder Tänze geht, die den jeweiligen Begriff von Heimat umreißen. (…) Die Erfahrung, dass deutsches Liedgut nicht immer nur brav und willig ist, selbst dann, wenn es sich so anhören mag, gehört zur Heimat-Thematik unbedingt dazu. So sind Lieder an diesem Abend liebenswert verknüpft mit der choreografischen Struktur und werden eindringlich vorgetragen vom Dresdner Gnadenchor.“ (DNN)

„Zu den profiliertesten jungen Köpfen der Dresdner Tanzszene gehört die Choreographin und Tänzerin Johanna Roggan. Sie bekam für ihr Projektvorhaben „Überwindungen“ mit the guts company von der Jury der Kulturstiftung des Bundes über das Programm Doppelpass eine Förderung in Höhe von 150.000 Euro zugesprochen, die ihr eine zweijährige Arbeitsphase mit drei Produktionen am Societaetstheater ermöglicht. Passend zu den Themen der Zeit sucht sie dabei mit tänzerischen Mitteln das Spannungsfeld zwischen identitätsstiftenden Traditionen und der Angst vor dem Fremden auszuloten.“ (SAX)

„Es überrascht nicht, dass der Abend viel Text bringt. Die Arbeit stellt sowohl rhetorische Fragen als auch solche, deren Antworten scheinbar banal sind, aber immer auch einen kleinen Teil einer Person ausmachen: Mag ich Sauerbraten? Anders könnte man auch einfach fragen: Aus welchen Teilen setze ich mich zusammen? (…) »Heimat« wird hier nicht nur als Bürde eines jeden Einzelnen diskutiert, sondern auch als eine Generationenfrage. Wer in einem geeinten Europa mit terroristischen Bedrohungen aus dem Nahen Osten aufwächst, erfährt Heimat logischerweise in einer ganz anderen Dimension. An einer Stelle meint Cindy Hammer, sie wolle nicht in eine Schachtel gesteckt werden. Darin sei es eng und dunkel. Zum Sehen benötigt der Mensch eben Licht.“ (DRESDNER)