ZUHAUSE

Detail

ZUHAUSE

Monologe hinter häuslichen Kulissen

(Ingrid Lausund)

Zwölf tragikomische Monologe über skurrile, vereinsamte und verunsicherte Zeitgenossen, die in ihren kleinen Parallelwelten Überlebenskämpfe mit sich und ihrer unmittelbaren Umgebung auskämpfen.
Nachbarschaftsschicksale und Einrichtungsversuche in Mint und Hellblau gegen ein bedrohliches Außen, Gemütlichkeitsrituale gegen Panikattacken, die perfekt geputzte Küche als pseudo-sakraler Raum. Ein Hindernislauf über wackelige Lebensfundamente und sanierungsbedürftige Innenräume.
Die Theaterautorin und Regisseurin Ingrid Lausund gehört mit ihren Stücken: HYSTERIKON, BANDSCHEIBENVORFALL - Ein Abend für Leute mit Haltungsschäden, DER WEG ZUM GLÜCK u.a. zu den meistgespielten deutschen Gegenwartsautoren.
Die in dem Band BIN NEBENAN versammelten Monologe über das Unbehaustsein lesen sich wie Kurzgeschichten und drängen gleichzeitig auf die Bühne. Es entstand ein Theaterabend, der (teilweise parallel) auf gewöhnlichen und ungewöhnlichen Bühnen im gesamten Societaetstheater spielt.
"Ein geteilter, aber gelungener Abend, der Lust auf die andere Hälfte der Monologe macht." DNN

Gefördert durch das Kulturamt Dresden und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.


Fotos: Detlef Ulbrich | www.duks33.de 

AUSZÜGE AUS pressestimmen: 

Tür an Tür mit Alice und andere
Eine halbe Rezension zu Ingrid Lausunds „Zuhause“

Mit ihrem Debüt-Prosatext „Bin nebenan. Monologe für zuhause“ blickt Ingrid Lausund durchs Schlüsselloch auf Parallelwelten und gibt auf tragikomische Art das wieder, was sie dort „sieht“. Überspitzt skizzierte Gestalten, die mit unterschiedlichem Sprachstil häusliche Nabelschau betreiben. Im Societaetstheater hatten nun die „Monologe hinter häuslichen Kulissen“ unter dem kurzen Titel „Zuhause“ in der Regie von Thomas Stecher Premiere. Das mit den Parallelwelten wird hier wörtlich genommen. Ein durchdachtes Schild-Farb-Ansteckkärtchen-System teilt die Zuschauer vor der Vorstellung in vier Gruppen auf. Zwei grüne A- und B-Gruppen und zwei rote (diese Farbeinteilung hat nichts mit der Wahl in Berlin zu tun). Die Zuschauer jeder Farbgruppe sehen dieselben sechs Monologe – mal zusammen, mal getrennt und zeitversetzt. Das heißt: Man kann nur die Hälfte der zwölf Monologe erleben. So gesehen handelt es sich hier auch um eine halbe Rezension – die „grüne“.
Monologisiert wird im ganzen Haus. Die sechs Darsteller haben sehr viel zu tun. [...] Angela Schlabinger zeigt den Wahnsinn zwischen Wohlstandshysterie und schlechtem Gewissen.
Ähnlich beginnt „Esstisch“ gespielt im Fahrstuhl von Beate Laaß [...] Einer der überzeugendsten Monologe des Abends.
Leise, melancholische Töne schlägt Thomas Stecher in „Grundstück“ an, [...] bei „Fernseher“ von Felix C. Voigt konnte im Unterschied zu den meisten anderen Monologen mit Betroffenheitsfaktor hemmungslos gelacht werden. Nahezu real ist dieser Typ in cooler Sonnenbrillen-Breitbein-Sitzhaltung. [...]
Ein geteilter, aber gelungener Abend, der Lust auf die andere Hälfte der Monologe macht.
19.09.2011, Dresdner Neueste Nachrichten

 Alleine >ZUHAUSE<
Tragikomische Stimmen aus den Tiefen des Societaetstheaters

Wie fühlt sich das an, ein Zuhause? Verstörend, weil das eigene Haus gefährdet wird, der Hund ins Tierheim muss und Frau und Kinder verschwinden? Fremd, da es ein mit gut abgestimmter Einrichtung künstliches Gefängnis ist, ohne Gemütlichkeit? Vielleicht sogar grotesk erniedrigend, wenn man auf der manischen Suche nach dem ganz individuellen Sofa feststellt, stets nur Teil einer typischen Zielgruppe zu sein?
Das sind, grob umrissen, drei von zwölf monologisch vorgetragenen Varianten der Inszenierung. Geschrieben hat diese klug gebauten, doch auch Schubladen bedienenden Texte Ingrid Lausund. Der Theaterfreund muss sich vorerst mit sechs Darbietungen zufrieden geben und die restlichen Episoden beim nächsten Mal anschauen: Das ist Marketing! Die Besucher werden zu Beginn in zwei Gruppen geteilt und dann parallel durch die kleinen und großen Räume des Societaetstheaters geführt. Durchaus witzig, auf der Treppe, im Foyer oder im Büro unterm Dach die Facetten von ZUHAUSE zu verfolgen. [...] In der Gruppe „Rot B“ sorgten dafür vor allem Juliane Beier als Wohnanalytikerin und Angela Schlabinger als Künstlerin mit Mutterkomplex. Zum Schluss noch ein hübsches Liedchen und die Schaubuden-Wohnwelt entlässt uns amüsiert und erschöpft zugleich ins eigene Zuhause
Oktober 2011 DRESDNER Kulturmagazin

Ein Fest für Hobby-Voyeure
Zwölf tragisch-komische Monologe hinter häuslichen Fassaden lassen tief blicken.

Zu Hause ist es doch am schönsten, sollte man meinen. Weit gefehlt, schaut man sich Ingrid Lausunds gleichnamiges Theaterstück im Societaetstheater an. Unter der Regie von Thomas Stecher werden vermeintlich normale Menschen zu häuslichen Anti-Helden, die tief in ihr Seelenleben blicken lassen. Sämtliche Bühnen und Orte des Theaterhauses werden dabei zur Projektionsfläche gescheiterter Existenzen, Wohlstandsproblemen und der Panikmache im Kleinen. [...] Wer seinen voyeuristischen Vorlieben freien Lauf lassen will, dem werden mit „Zuhause" intimste Einblicke hinter allzu menschliche Fassaden gewährt. Beim Schmunzeln ertappt man sich, wenn etwa eine Berlinerin, sich Ausländerfreundlichkeit antrainieren will, indem sie sich mit ihrer türkischen Putzfrau regelmäßig auf einen Tee trifft.
Das häusliche Bühnen-Leid ist allerdings von Beginn an geteilt - am Anfang werden die Zuschauer in vier verschiedene Gruppen gesteckt, sodass sie jeweils nur einen Teil der parallel laufenden Monologe mit den sechs Darstellern erleben - wenn das mal kein Grund ist, zum Wiederholungs-Voyeur zu werden
24.11.2011 Sächsische Zeitung
 

Mitwirkende

Regie: Thomas Stecher | Spiel: Angela Schlabinger, Beate Laaß, Thomas Stecher, Matthias Manz, Felix C. Voigt, Juliane Beier | Ausstattung: Tom Böhm