TOTENTANZ

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TOTENTANZ

(August Strindberg)

Edgar und Alice, ein seit 25 Jahren verheiratetes Ehepaar, leben ohne Freunde isoliert im ehemaligen Gefängnis eines Festungsturms. Als gescheiterter Artilleriehauptmann befiehlt Edgar nur noch über eine unbedeutende Schärengarteninsel mit einer Strandbatterie, während Alice um ihre ehemalige Schauspielkarriere trauert. Die Silberhochzeit steht bevor. Eigentlich ein Grund zu feiern, aber der Weinkeller ist leer, die Vorräte verbraucht und die Dienstmädchen fliehen, weil sie grob behandelt werden. Auch die Kinder kommen nicht mehr zu Besuch. Das monotone Miteinander füllt sich mit Bosheit, mit Egozentrik, enttäuschten Träumen und unterdrückten Leidenschaften.
Da taucht Kurt auf, Alices Vetter und Edgars Jugendfreund. Er wird die Quarantänestation auf der Insel übernehmen und gerät dabei in die "Kleinhölle", wie die Insel von den Leuten genannt wird. In Edgar und Alice aber wächst die trügerische Hoffnung, mit ihm einen neuen Ausweg zu finden.
"Großartig gespielt: August Strindbergs »Totentanz« im Societaetstheater ... die anfänglich angedeutete Komik wird in der Folge zum knallharten Drama." (DNN)

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Fotos: Detlef Ulbrich | www.duks33.de

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Großartig gespielt: August Strindbergs "Totentanz" im Societaetstheater

Es ist schon ziemlich eigenartig, dass ein Publikum von großartigen Komödianten immer erwartet, zum Lachen gebracht zu werden. Zumal, wenn auf der Bühne eine Hannelore Koch und ein Hermann Beyer jenes bis ins Mark zerstrittene Ehepaar Alice und Edgar darstellen, das der Schwede August Strindberg in seinem Drama "Totentanz" so grandios scheitern lässt. In einer Inszenierung von Andreas Pirl erlebte dieses eindringliche Kammerspiel nun im Societaetstheater seine Premiere.
Gluckst man anfänglich noch im Publikum über die Wortwahl der beiden Akteure und belächelt man noch ihre kleinen Zänkereien, so verliert sich das doch relativ schnell. Und es erweist sich schon nach etwa zehn Minuten: Das Stück ist alles andere als lustig, auch wenn die mitunter hundsgemeinen bis bösartigen gegenseitigen Sticheleien durchaus einen Hauch Komik in sich bergen. Edgars (Hermann Beyer) fast stereotyp wiederkehrende Erkenntnis "Das Leben ist merkwürdig!" ist solch ein Satz. Man möchte über jenen hilflos scheinenden und im Beruf wie im privaten Leben gescheiterten Militär schon schmunzeln und kann es dennoch nicht. Man könnte darüber lachen, wie sie ihre zugunsten dieser Ehe verloren gegangenen künstlerischen Talente ab und an aufruft. Deutlich wird auch: Die wie an einer Perlenschnur aufgereihten kleinen Gehässigkeiten eines Ehealltags weisen sehr eindringlich darauf hin, dass sich im generellen Geschlechterverhältnis seit Strindberg bis zum heutigen Tage so gut wie nichts geändert hat.
Wenn gescheiterte Lebensträume zum Zankapfel werden - wenn Alice einer möglichen Schauspielerkarriere hinterher trauert, die sie für Edgar aufgegeben hat und wenn Edgar im Dienstgrad eines Hauptmanns im Gegenzug nur noch dazu taugt, eine bedeutungslose Schäreninsel zu bewachen -, dann ist man nicht weit davon entfernt, dem anderen den Tod an den Hals zu wünschen. Dann gerät auch ein solch bedeutendes Ereignis wie die bevorstehende Silberhochzeitsfeier der beiden eher zur Nebensache, wenn nicht gar zur extremen Belastung. Und dann geht auch der letzte Rest an möglicher Komik verloren. Aber wahrhaft groß gespielt. Edgar und Alice misstrauen einander zutiefst. So sehr, dass sie jedes Wort und jede Geste gegenüber dem anderen zuvor reiflich durchdenken. Natürlich ist ihr Kartenspiel nichts als eine Farce, dazu dienend, die Zeit zu überbrücken und wichtigen Gesprächen und Entscheidungen auszuweichen. Das hat Regisseur Andreas Pirl sehr konsequent und sehr konzentriert beleuchtet. Und gerade durch solche Szenen verliert Strindbergs "Totentanz" fast unmerklich die anfänglich angedeutete Komik und wird in der Folge zum knallharten Drama.
In dem spielt auch noch der plötzlich auftauchende Kurt (Mathias Mertens) eine wichtige Rolle. Er ist ein einstiger Jugendfreund Edgars und ein Vetter von Alice. Kurt steht unvermittelt zwischen den beiden. Edgar versucht, Kurt für seine intriganten Zwecke zu gewinnen. Alice nutzt ihn, um sich über Edgar zu beschweren. Doch immer in wohlgesetzten Reden, ohne Hysterie. In einem nach bürgerlichem Wohlstand atmenden Interieur (Ausstattung: Ana Maria Goncalves Nunes) vollzieht sich ein im Grunde alltägliches Ehedrama. Überspitzt und überheblich spottet Edgar: "Ich bin, also ist Gott!" Alice hofft, dass er endlich stirbt, doch Edgar klammert sich mit Zähigkeit ans Leben. Er legt an die Zukunft ein Bandmaß, hat "Hoffnung auf was Besseres". Es gibt letztendlich keine Alternative zur Fortführung dieser Ehe. So formuliert Edgar am Ende, Alice umarmend: "Wenn der Tod kommt, beginnt vielleicht erst das Leben." Eine Lösung ist das nicht, eine Art Trost schon.
DNN, 12.04.2010

Mitwirkende

Regie: Andreas Pirl | Spiel: Hannelore Koch, Hermann Beyer, Mathias Mertens | Bühne, Kostüm: Ana Maria Goncalves Nunes