NUR NACHTS

Detail

NUR NACHTS

Eine Komödie

(Sibylle Berg)

Peter und Petra, beide Singles, aufgeschlossen, mit lebenspraktischem Verstand und gutem Einkommen, begegnen sich auf einer Party. Die nagende Sehnsucht nach Romantik und bedingungsloser Liebe haben sie endlich hinter sich gelassen. Oder kann man mit Mitte 40 noch einmal neu anfangen?
Doch da kommen sie, die alten Gespenster der Vergangenheit ...
Zwei Geister suchen beide heim, um ihren Heiratsplan zu hintertreiben. Und alles was sicher war, scheint in Frage gestellt.
Die Autorin Sibylle Berg, eine der auffälligsten im deutschsprachigen Raum, ist u.a. wegen ihres sezierenden Blicks und ihrer mutigen Sprache mehrfach preisgekrönt und heiß umstritten. In NUR NACHTS durchleuchtet sie mit melancholisch-komischem Blick die Sehnsüchte und Ängste, Träume und Alpträume der Mittvierziger.
"... eine sympathische Huldigung an die Liebe im etwas reiferen Alter, die sich eben manchmal sogar gegen alle Erwartungen und Vorurteile behauptet." (DNN)


Fotos: Detlef Ulbrich | www.duks33.de 

Hier finden Sie auch einen Fernsehbeitrag über die Inszenierung von DresdenEins.TV. 

pressestimmen 

Warum mutig sein so lange dauert
Selbstironischer Blick auf die Mitvierziger in NUR NACHTS im Societaetstheater

Der griechische Philosoph Aristoteles stellte vor über 2300 Jahren die Frage nach dem Ziel des Lebens und veranlasste die Menschen, über ihre Lebensführung nachzudenken. Die meisten Menschen leben im Streben, ein Ziel zu erreichen, um dadurch glücklich zu werden. Peter und Petra, beide Mitte 40, haben ihr Ziel noch nicht erreicht. Die als aufgegeben geglaubten schwärmerischen Vorstellungen maßloser Liebe werden neu entfacht, als sich die beiden auf einer Party kennenlernen. Sogleich werden Peter und Petra von Skepsis und Unsicherheit erfasst.
Auch die Geister der Vergangenheit lassen nicht lange auf sich warten, um den Versuch der beiden, eine ernsthafte Beziehung aufzubauen, zu kommentieren und zu hintergehen.
Die renommierte Schriftstellerin und Dramatikerin Sybille Berg schuf mit NUR NACHTS ein tragisch-komisches Stück, das durch bissige Sprache überzeugt. Beeindruckend ist die unkonventionelle Darstellung der früheren Erlebnisse durch die sarkastischen Gespenster. Ramona Kunze-Libnow brilliert in ihrer Rolle als Arien-singender Geist mit Teufelshörnern und männermordendem Ausschnitt. Ergänzt wird sie durch den Altrocker-Geist (Michael Heuser), der zur Liebessabotage auch zum Revolver greift. Kathleen Gaube (Petra) und Wolfgang Boos (Peter) - beide aus dem Ensemble der „DRAMATEN“ - verdeutlichen die Ängste und Zweifel sowie den Alltag der Einsamen, mit dem festen Entschluss, ihr Leben endlich in die Hand zu nehmen. Eine besonders treffende musikalische Begleitung des Stücks und das schillernde und zugleich skurrile Bühnenbild ergänzen die Kontraste zwischen den sehnsüchtigen Protagonisten und den bizarren Spukgestalten.
Oktober 2011 DRESDNER Kulturmagazin


Neuer Traum vom Glück ohne Ende
Die Dramaten spielen Sibylle Bergs "NUR NACHTS" im Societaetstheater

Die Sehhilfe auf dem Programmzettel wirkt wie eine Art Stereobrille, die den Raum vom Diesseits zum Jenseits öffnet, wo die grimmigen Geister hausen. Sonst stünden ganz einfach nur zwei Paare auf der kleinen Bühne im Societaetstheater und spielten die Geschichte von Sibylle Berg. "NUR NACHTS" heißt sie und will sich hier nicht recht zu einem Stück verdichten, bleibt eine Folge von Episoden, die statt nach einer zwingenden Dramaturgie wie die Punkte eines Prüfungsprogramms aufeinander folgen und dabei ständig changieren zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit, zwischen Erinnerung und Traum, ja sogar zwischen Leben und Tod. Am Ende haben die einen auf fast zu simpel anmutende Weise bestanden, die anderen bleiben grollend, mit Revanche drohend zurück.
Ganz in Schwarz kommen sie daher, gehen sie dahin, Ramona Kunze-Libnow, statt düsterer Engel eine gewiefte, sogar brillant singende Animierdame und aufmerksame Beobachterin, Michael Heuser, kein Mephisto, eher ein kraftprotzender Altrocker mit meist kläglich scheiterndem Macho-Gehabe. Der Zwang zur Beobachtung, das Übermaß an Erfahrung hat sie zynisch gemacht, so dass sie niemandem gönnen, was ihnen versagt ist, ein noch so kleines Glück. Schon gar nicht dem zappeligen, an Ideenarmut und Opportunismus gescheiterten Werbegestalter Peter (Wolfgang Boos) und der von allen als farblos empfundenen, von subalternen Tätigkeiten und Alkohol längst abgestumpften Petra (Kathleen Gaube), die doch zu nichts anderem bestimmt waren, als ihr armes kleines Leben einsam bis ans Ende ihrer Tage hinzubringen. Doch dann begegnen sich die beiden eines Abends in einer Disco und fangen an, den irren Traum von einem völlig neuen, gemeinsamen Leben zu träumen, von einem Glück ohne Ende.
Obwohl das normalerweise ganz von selbst mit einem Fiasko enden sollte, machen sich die von ganz oben bzw. von der Autorin beschworenen Geister daran, das Projekt nach besten Kräften zu hintertreiben. Sechs Nächte lang konfrontieren sie die Delinquenten mit gehabten oder künftigen Frustsituationen, von der Last des Kindererziehens über das Mobbing im Beruf, die wahren Freuden eines Seeurlaubs (der die Ost-Sozialisierung der Figuren enthüllt) bis zum Scheitern an sozialer Verantwortung oder in früheren Beziehungen. Das bietet nebenbei vielerlei Gelegenheit, satirisch zugespitzt den Geisteszustand der heutigen intellektuellen Bürgerwelt zu beschreiben, doch hat sich Volker Metzler, der mit seinen Dramaten und dieser Inszenierung im Societaetstheater gastiert, offenbar selbst so schwer in die Protagonisten Peter und Petra verliebt, dass er allerlei Anachronismen und - zumal mit einem erlesenen Soundtrack - poetische Kontrapunkte gegen manche Flippigkeit des Textes setzt. Er nimmt Nüchternheit und Desillusionierung ernst und verwahrt sich auch gegen eine ironische Distanz, die den Zuschauer glauben ließe, ihn betreffe das alles gar nicht. (Ein Eindruck, der sich in Bezug auf das konstruierte Umfeld allerdings nicht ganz vermeiden lässt.)
Jedenfalls befördert es die glaubhafte Präsenz der Darsteller, und zumal in den eher kabarettistisch konstruierten Versagens-Situationen zeigen sich dadurch auf der einen Seite zaghaft aufblühende Charaktere, auf der anderen so etwas wie Weisheit und Gefühle wider Willen. Ohne echte Leichen im Keller, ohne große Konflikte und Katastrophen in der Biografie - es ist schlicht die Einsicht in die Mittelmäßigkeit und Ereignislosigkeit ihres Daseins, die zur beiderseitigen Midlife Crisis führte. Und die sie nun gemeinsam überwinden, gerade indem sie sich der fortgesetzten Angriffe der bösen Geister erwehren.
Sie tun das, in dem sie sich Schritt für Schritt zu ihren Schwächen bekennen, mit einer fatalen oder lapidaren Ehrlichkeit, die mehr und mehr sympathisch wirkt, alles nach dem Motto: Was uns nicht umbringt, macht uns stark, und so wäre das kleine Wunder am Ende eigentlich keins, käme hier nicht so viel geradezu neugeboren anmutende Naivität ins Spiel, soviel Bereitschaft und Offenheit aus dem Boden fortwährender Enttäuschungen.
Die gewöhnliche Lebenspraxis stellt der Anpassungsfähigkeit von Mittvierzigern dagegen ein ganz anderes Zeugnis aus, und auch der Neugewinn an philosophischer Erkenntnis zur Absurdität des Daseins ist eher zu vernachlässigen. Sei es drum, es bleibt eine sympathische Huldigung an die Liebe im etwas reiferen Alter, die sich eben manchmal sogar gegen alle Erwartungen und Vorurteile behauptet.
10.09.2011 DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN
 
Von der Einsamkeit des Single-Dasein
Das Societaetstheater zeigt mit „NUR NACHTS" die Welt der einsamen Herzen:
 
So sind sie, die Singles unserer Gesellschaft: einkommensstark, in gesetztem Alter, ohne Kinder lebend. Vielleicht ein wenig einsam. Genau so leben Petra und Peter (Kathleen Gaube und Wolfgang Boos) in dem neuen Stück „NUR NACHTS", welches im Societaetstheater gespielt wird. Auf einer Party lernen sie sich kennen. Und mit 45 Jahren geht es dabei gleich ums Ganze. Man will ja doch noch schnell glücklich werden. Autorin Sibylle Berg stattet ihre Singles mit einem erschütternd niedrigen Selbstbewusstsein aus. In dem jeweils anderen Partner sehen sie sich „selbst verfallen".
Lebensfreude bei Singles? Fehlanzeige. [...] Sogar die beiden Geister (Ramona Kunze-Libnow und Michael Heuser) geben da auf, die das neue Paar trennen wollten. Sie kehren in einem Jahr zurück. Dann kommt sicher das Kapitel Scheidung dran.
10.09.2011 Sächsische Zeitung

Mitwirkende

Regie: Volker Metzler | Spiel: Kathleen Gaube, Michael Heuser, Wolfgang Boos, Ramona Kunze-Libnow | Dramaturgie: Franziska Fuhlrott

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