JUST A LITTLE BIT RACIST
16 Fragmente über das Fremdsein
(OFF: Dresden)
"Haben sie überhaupt ein Recht, in Deutschland zu sein?", fragt ein Russlanddeutscher eine Ägypterin, kurz bevor er sie mit 16 Messerstichen tötet.
Was als Wortgefecht zwischen den Schaukeln eines Kinderspielplatzes beginnt, nimmt einen zutiefst dramatischen Verlauf. Anlass zur Revolte, Anklage aber auch zur Selbstreflexion. Fragmentarisch werden jene Realitäten durchleuchtet, in denen ein solcher Mord möglich und kein isolierter Einzelfall war. Gewechselt wird der Ton, wie auch die Perspektive. Zeitungsmeldungen, klassische Texte, Berichte von Betroffenen und Straßeninterviews kommen zu Wort, sodass sich ein dichtes Geflecht aus Meinungen, Schuld und Verantwortung ergibt.
"Herzberg und Petrova sind mal neutrale Analystinnen des Rassismus, führen Stammtischdiskussionen über das Kopftuch und lassen verschiedene Dresdner aus zuvor geführten Interviews zu Wort kommen. Manches regt zum Schmunzeln an." (SZ) "Denn wer würde sich nicht zumindest partiell in den zahlreichen dokumentierten Spontaninterviews wieder erkennen? ... Insgesamt eine Produktion, die hervorragend zum Festival "Politik im Freien Theater" gepasst hätte und die eigentlich en suite für Schulklassen gespielt werden müsste." (DNN)
Gefördert durch die Kulturstiftung des Landes Sachsen, den Fonds Darstellende Künste e.V. und die Ostsächsische Sparkasse.
Fotos: Detlef Ulbrich | www.duks33.de
Auszüge aus Pressestimmen
Der ganz gewöhnliche Rassismus
Eine Lektion Selbstreflexion nach dem Marwa-Mord
Die beiden engagierten Schauspielerinnen beginnen mit einer "Rassismus-Show" wie auf dem Varieté, und man ahnt, dass bei diesem Thema ein wohlkalkuliertes Wechselbad der Gefühle folgen muss. Denn es geht um nichts weniger als den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Saal des Dresdner Landgerichts am 1. Juli 2009. [...]
Auf den Namen kommt es nicht an, denn der schockierende Mord eines verbitterten jungen Einzeltäters warf zugleich ein Schlaglicht auf weit verbreitete Haltungen in der Bevölkerung. "Just a little bit racist" - vielleicht musste es ein englischer Titel sein, weil er so noch verharmlosender klingt als im Deutschen. [...] Den Rahmen bilden einmal Dokumente der Mordgeschichte, vom Ausgangskonflikt auf einem Spielplatz angefangen, zum anderen eine Art Redaktionsbüro, in dem die Dokumente gesichtet und verarbeitet werden. Das ist dennoch kein dokumentarisches Theater im engeren Sinn, eher ein sehr lebendiges Dokumentarspiel, eben ein auf Wirkung angelegtes Wechselbad. [...] Insgesamt eine Produktion, die hervorragend zum vor zwei Wochen beendeten Festival "Politik im Freien Theater" gepasst hätte und die eigentlich en suite für Schulklassen gespielt werden müsste. Bezeichnenderweise hat das Dresdner Kulturamt eine Projektförderung abgelehnt, der Fonds Darstellende Künste Berlin, die Kulturstiftung des Freistaates und die Ostsächsische Sparkasse sprangen ein.
22.11.2011, DNN
Im Minenfeld der Wortgefechte
Im Societaetstheater in Dresden erlebt man Fremdsein als Opfer, Täter und Beobachter zugleich.
Beschwingt stimmen sie sich ein auf eine gute Stunde Rassismus: Julianna Herzberg und Karolina Petrova vom Theater La Lune besingen in „Just A Little Bit Racist“ das Reizthema. [...] Hier wird vielschichtig gearbeitet: Herzberg und Petrova sind mal neutrale Analystinnen des Rassismus, führen Stammtischdiskussionen über das Kopftuch und lassen verschiedene Dresdner aus zuvor geführten Interviews zu Wort kommen. Manches regt zum Schmunzeln an: „Wenn die Bahn voll wäre mit Verschleierten, das wäre schon komisch.“ Die Schauspielerinnen fordern Handzeichen vom Publikum: Wer war schon mal Opfer eines fremdenfeindlichen Übergriffs? Opfer und Beobachter sind schnell gefunden. Täter? Kaum. [...] Was bleibt, ist weder Anklage noch Schuld, sondern ein Gefühl, das viele nach dem Mord an der Ägypterin hatten: Ratlosigkeit.
22.11.2011, Sächsische Zeitung
Der wahre Alien ist das Geld
Das Festival Politik im Freien Theater in Dresden widmet sich dem Motto „Fremd“ - und zeigt, dass politisches Theater auch unterhalten kann
„[...] Angesichts der Erkenntnisse über echten Terror hätte das Festival eine Woche später gewiss zusätzliche Brisanz erhalten. Ein wichtiges Stück zum Alltagsrassismus, das unbedingt in dieses Festival gepasst hätte, erlebte leider erst zwei Wochen später seine Premiere im Societaetstheater. Der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Dresdner Gerichtssaal 2009 inspirierte die gebürtige Wienerin Veronika Steinböck zum Dokumentarspiel „Just a little bit racist.“
Theater der Zeit im Januar 2012
Mitwirkende
Regie, Spiel: Veronika Steinböck | Spiel: Karolina Petrova | Assistenz: Marie Timm
Hinweis
Theater La Lune






